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| | Die Ziele oder die Hintergründe des Karatetrainings
Viele Eltern bekommen ein mulmiges Gefühl, wenn sie von ihren Kindern
erfahren, dass diese mit einer Kampfkunst beginnen möchten. Die Ängste der
verunsicherten Eltern verschwinden jedoch schnell wieder. Eines vorweg,
Kampfkunst regt weder die Gewaltbereitschaft an, noch ist die Verletzungsgefahr
grösser als bei anderen körperlichen Betätigungen. Mit dem Ausüben von Karate
durchlaufen die Kinder ein System zur Entwicklung der körperlichen, sozialen und
mentalen Persönlichkeitsbildung.
Kinder orientieren sich in ihrem Verhalten stark an Gleichaltrigen. Gleiches
Verhalten vermittelt nach aussen Zusammengehörigkeit und schafft nach innen
Bindung. Gemeinsame Aktivitäten wie Karate haben hohen präventiven Charakter.
Sie schaffen Befriedigung und Vergnügen, geben der Freizeit eine Struktur und
können sogar Alternativen zum Suchtmittelmissbrauch bilden, welcher nur dazu
dient, Langeweile oder andere negative Gefühle zu bekämpfen. Das
Zusammengehörigkeitsgefühl im Karate, des Gebraucht- und Akzeptiertwerdens,
vermittelt Sicherheit, stärkt das Selbstwertgefühl und trägt dazu bei, den
jungen Menschen in ihrer Lebensbewältigung Orientierung zu geben und sie in
ihrer Lebenskompetenz zu fördern.
Aggressionen haben unter anderem mit Selbstbehauptung, Selbstwertgefühl und
Persönlichkeit zu tun. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Sozial-
und Selbstkompetenz zu fördern und ihnen Wege aufzuzeigen, mit Aggressionen
umzugehen, ohne andere und sich selbst zu schädigen. Karate fördert die
Selbsterfahrung, die ein Schlüssel zu einem offenen, liebevollen und toleranten
Umgang mit anderen ist. Karate ermöglich die Entwicklung von Selbständigkeit,
emotionaler Intelligenz und sozialer Kompetenz.
Nachfolgende Aufzählungen geben umfassenden Einblick in die Ziele unserer
Unterrichtsstunden:
sich Wohlfühlen innerhalb der gelebten Budoregeln
Höflichkeit durch gegenseitigen Respekt und Achtung
Förderung von Sozial- und Selbstkompetenz
Möglichkeiten der Selbsterfahrung
Prävention durch den Umgang und Abbau von Aggressionen
Befriedigung und Vergnügen
Freizeitgestaltung mit einer Struktur
Stärkung des Selbstwertgefühles
Lebensorientierung
Disziplin durch Geistesschulung
Loyalität
Gruppenzusammenarbeit sowie Individualismus
Durchhaltevermögen durch innere Stärke
Aufmerksamkeit
Wachsamkeit
Perfektion durch Genauigkeit
Gedächtnistraining
Koordination
Fitness und körperliche Stärke
Sicherheit durch Selbstschutz
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Die Entstehung des Karates
Um die Aufzählungen verstehen zu können, müssen wir bei den Wurzeln des
Karates, dem Ursprung und der Geschichte, beginnen. Die Kampfkunst hat eine sehr
lange Tradition, deren Entstehung in Indien angesiedelt wird:
Ein buddhistischer Priester namens Daruma oder Bhodidarma, der die Zenlehre
in China verkünden wollte, praktizierte diese Kampfart, da er sich auf seinem
Weg nach China nicht nur gegen wilde Tiere sondern auch gegen zahlreiche
Weglagerer behaupten musste. Weil er jedoch prinzipiell keine Waffen trug,
entwickelte er eine waffenlose Kunst. 1'500 Jahre vor unserer Zeitrechnung traf
Daruma beim Hof des Kaisers Wu in Chang'an (China) ein, reiste anschliessend in
die Provinz Henan zum Tempel Shaolin weiter, wo er nicht nur die Zendoktrin
lehrte, sondern auch die Kampftechniken ohne Waffen, damals Shorin Kempo
genannt. Daruma wird als Begründer des chinesischen Kempos angesehen. Ausgehend
vom Reich der Mitte, wie China oft auch genannt wird, breitete sich Kempo über
das ganze Land aus und erreichte schliesslich die Mongolei, Korea und die Insel
Okinawa. In Okinawa genoss diese neue Kampfkunst insbesondere in der
Kamakura-Epoche, ca. 1200 Jahre nach Christus, ungeheuere Popularität, denn der
Kaiser hatte der Bevölkerung den Besitz von Waffen untersagt.
Von 1901 an konnte in Okinawa jedermann die Kampfkunst erlernen, wie wir sie
heute als Karate (Kara = leer / te = Hand) kennen. Karate erhielt zu dieser Zeit
durch Grossmeister Gichin Funakoshi seine Form. Er brachte diese Kampfkunst 1916
von
Okinawa nach Tokyo.
Der Gründer des Kyokushin Karates, Sosai Masutatsu Oyama, wurde 27. Juli
1923 in einem südkoreanischen Dorf geboren. Ab dem neunten Altersjahr erhielt
er Unterricht im chinesischen Kempo. 1938 reiste er nach Japan, wo er im Judo
und Boxen unterrichtet wurde. Während dieser Zeit lernte er Grossmeister Gichin
Funakoshi kennen und nahm über mehrere Jahre an dessen Unterricht teil. Parallel dazu bildete er sich im Judo
sowie auch im Gojo - Ryu - Karate weiter. Die Entscheidung, den Rest seines Lebens dem
Weiterverbreiten des Karatewissens zu widmen, bewog ihn, mehrere Monate in
totaler Einsamkeit in Tempeln in den Bergen Japans zu verbringen. Er setzte sich
den verschiedensten Anforderungen der Kampfkunst aus, indem er Tag und Nacht
trainierte und nach den Zengrundlagen meditierte. 1951 kehrte er in die
Zivilisation zurück und eröffnete das erste Oyama- Dojo in Tokyo. Im Verlaufe
der Zeit fügte Sosai Oyama all seine erlernten Budokünste zusammen, indem er
die effizientesten Techniken ins Prüfungsprogramm aufnahm. Die Zusammenlegung
dieses Wissens führte dazu, dass er "seine Unterrichtsmethode"
Kyokushin Karate nannte. Über die folgenden Jahrzehnte bildete er unzählige
Karatekas aus. Am 26. April 1994 starb Sosai Masutatsu
Oyama, 10. DAN, in Tokyo.
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Das Kyokushinkai - Zeichen
Die Bedeutung des Kyokushinkai - Zeichens, das wir am Karategi (Karateanzug)
auf der linken Brustseite tragen, ist folgende:
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Kyoku
shin
kai
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=
=
=
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äusserst, grösstmöglichst, endgültig
Wahrheit oder Wirklichkeit
sich treffen, vereinen, verbinden
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Einer der bedeutensten Schüler von Sosai Oyama war Hanshi Steve Arneil,
heute 9. DAN. Hanshi wurde am 29. August 1934 im damaligen Rhodesien geboren.
Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für Judo, Goju - Ryu - Karate
und den Messerkampf. Auf der Suche nach mehr Wissen gelangte er nach Japan und
kam mit Sosai Oyama in Kontakt. Nachdem er mehrere Monate dem Training nur
zuschauen durfte, wurde er aufgenommen und konnte mittrainieren. Nach beinahe
fünf Jahren Kyokushin - Karatetraining in Tokyo stellte er sich dem Hundertmannkampf
am 21. Mai 1965. Er war der erste Kyokushin Karateka , der diese
Herausforderung angeommen und bestanden hatte. Nach seiner Übersiedlung nach London verbreitete er das
Gelernte in Grossbritannien. 1977 unterrichtete Hanshi zum ersten Mal in
der Schweiz. Seither werden auch in unserem Land regelmässige Lehrgänge mit
ihm durchgeführt. Hanshi Arneil ist der Gründer des Weltverbandes IFK
(International Federation of Karate Kyokushin), welchem auch die IFK Switzerland
Kyokushinkai (www.ifk-schweiz.ch)
und somit auch das Dojo Chur angeschlossen ist.
Der Aufbau des Kyokushin Karates
Das Grundschulkonzept der IFK ist eines der ausführlichsten innerhalb der
Karatewelt. Es basiert auf den drei Grundpfeilern:
Kihon
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=
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schulmässiges Üben der Grundtechniken aus dem Stand oder in
verschiedenen Stellungen und Bewegungsvarianten.
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Kata
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=
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überlieferte genau vorgeschriebene Abläufe von Angriffen und
Abwehren in verschiedenen Stellungen und Richtungen.
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Kumite
|
=
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kämpfen, wobei wir zwischen den verschiedenen Arten Clicker (ohne
Kontakt und für Kinder speziell entwickelt), Leichtkontakt, Kyokushinkai
und Kenka (Strassenkampf) unterscheiden.
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Das Do = der Weg oder die Grundschule des Lernens
Um sich zu verbessern muss der Karateka die verschiedenen Schritte der
steigenden Entwicklung verstehen:
Stände
|
=
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der Karateka sollte sich zuerst gute theoretische und praktische
Kenntnisse der Karatestände aneignen.
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Gleichgewicht
|
=
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ist das Mittel, bei welchem der Karateka die Kontrolle der aktuellen
Körperstellung während des Stillstehens oder der Bewegung hat.
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Techniken
|
=
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aufbauend auf die Stände und das Gleichgewicht können die Abläufe
der Schlag- und Abwehrtechniken geübt werden.
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Koordination
|
=
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damit erreicht der Karateka die effizientiste Durchführung seiner
verschiedenen Techniken mit kontrolliertem Gleichgewicht in einer
eingenommenen Stellung.
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Form
|
=
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der Karateka kann die Form (Kata) durch Ausführen aller Techniken
unter Bezug von guten Ständen, Gleichgewicht, Techniken und der
Koordination entwickeln.
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Geschwindigkeit
|
=
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hiermit erhöht der Karateka den Ausführungsrhytmus ohne jeglichen
Formverlust.
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Kraft
|
=
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dient zur Stärkung aller Techniken und fördert den Muskelerhalt
sowie Aufbau.
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Reflex
|
=
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nachdem der Karateka die oben aufgeführten Schritte verstanden und
entwickelt hat, wird er durch andauerndes Wiederholen an einen Punkt
gelangen, wo die Techniken zum selbstverständlichen Bewegen gehören.
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Abschluss
|
=
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der Karateka soll die vorangegangenen Lernprozesse nicht
überstürzen, sondern so weit wie möglich jede einzelne Bewegung
beherrschen und verstehen, so dass eine möglichst grosse Harmonie
erreicht werden kann.
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Die Definition und Ziele der Kata
Kata bedeutet wörtlich übersetzt "Gestalt
annehmen" oder "Form". Eine Kata besteht aus Sequenzen von
Abwehren, Beintritten oder Armschlagtechniken aus einer oder mehreren
Stellungen, beinhaltend Bewegungen vorwärts, rückwärts und zu den Seiten. Die
Anzahl der Bewegungen sind sehr verschieden. Das Gleichgewicht zwischen
Offensiv- und Defensivtechniken, die Richtungen und der Fluss der Bewegungen,
die verschiedenen gebrauchten Stellungen geben jeder Kata ihren eigenen
Charakter.
Karate wäre ohne Kata seiner Seele beraubt,
nicht viel mehr als "Schlagen und Treten", keine Kampfkunst sondern
ein Kampfsport unter vielen, der auch beliebig viele andere Namen tragen
könnte. Karate ist vergleichbar mit einem grossen Baum. Kata ist die Wurzel,
die ihn nährt, die ihn am Leben erhält. Karate ohne Kata ist wie ein Baum ohne
Wurzeln.
Jede traditionelle Kampfkunst hat ihre Katas. Die
Katas sind Verbindungen zu der früheren Zeit, welche von damaligen Meistern
kreiert und genauso über Generationen hinweg gleich gemacht wurden. Die
modernen Gedanken sind "sicher können diese Katas neu gestaltet werden,
das ist Fortschritt !". Vielfach werden die Katas schlecht gemacht, ohne
Respekt und Wissen um die Weisheit der Meister. Die Arbeit des Karatelehrer ist
es, Kata über eine lange Zeit zu üben. Wenn wir das mit einer sauberen
Einstellung tun, so werden wir die tiefere Meinung der Kata verstehen. Dann
werden wir auch erahnen, warum die Kata immer wieder geübt werden muss.
Den Katas werden im Gebrauch Namen gegeben. Zum
Beispiel Taikyoku Sono Ichi ist eine Grundkata, welche durch Gichin Funakoshi
kreiert wurde, als er die Techniken des Okinawa - te zum Vorläufer des Karates
zusammenfasste. Diese Kata wird in vielen Stilen den Anfängern beigebracht.
Wenn ein Karateka diesen Namen hört, so weiss er sofort das Muster der
Bewegungen auf dem Boden, welche Abwehren und Angriffe dazugehören. Einzelne
Schulen haben ihren charakteristischen Stil um Bewegungen zu machen, aber die
grundlegenden Elemente der Grundkatas variieren nicht gross zwischen den Stilen.
Die fundamentalen Abwehren der Kata kommen aus
der Grundschule. Diese Techniken sind wiederum auf den Grundstellungen
aufgebaut. Eine Grundkata hat etwa 20 Bewegungen mit einer Stellung, einer
Abwehr und einem Schlag. Höhere Katas haben bis zu 100, meistens fortlaufende
Bewegungen, zudem mehr Techniken und Kombinationen davon. Dieser Fortschritt im
"Körper" der Kata, welchen Schüler während ihrem Karatestudium
lernen, beschafft die Ermutigung und den Anreiz, mehr zu lernen.
Die Antwort auf diese Frage ist zweifach.
Erstens, Kata sind ausgezeichnete pädagogische Einrichtungen um die Grundschule
der Arm- und Beintechniken im Zusammenhang mit den Bewegungen und der Anwendung
zu lehren. Durch die Praxis der Kata lernt der Student das Gleichgewicht, den
Rhythmus, die Koordination, wie das Gleichgewicht zwischen den Stellungen zu
bewegen, den Übergang zwischen Offensiv und Defensiv, die Atmung, die
Konzentration und die Genauigkeit. Kata beschafft eine Form der Praxis, welche
den Gebrauch und die Perfektion all dieser Faktoren beinhaltet.
Der zweite Grund Kata zu praktizieren ist, dass
es eine exzellente körperliche Übung ist, welche die Arm-, Bein- und
Rumpfmuskeln stärkt. Kata beinhaltet isotonische und isometrische Bewegungen
der Muskeln. Wenn ein Karateka mehrere Male kraftvoll eine Kata durchführt ohne
dabei zu pausieren, so ist es zudem auch eine aerobische Übung.
Die früheren Meister der Kampfkünste waren
durch ihre Natur und Eindrücke sehr geübte Männer. In der Entwicklung und
Verfeinerung der Kata fanden sie eine einheitliche Methode zur Übung der
Grundschule, zur Kräftigung des Skelettes und zum Training des Herzgefässes.
Kata ist wesentlich eine individuelle Bemühung. Für solche die verschiedenen
Alters, verschiedener Geschicklichkeit und Kondition sind, kann jeder seinen
eigenen Stand des Trainings, des Wissens, der Fähigkeit und der Kondition
aneignen. Kata kann im Dojo (Halle des Weges) oder in der Natur praktiziert
werden. In den früheren Jahren des Karates, auf den Ryuku - Inseln,
praktizierten die Studenten die Katas nicht auf glatten Hartholz- oder
Turnhallenböden, sondern in Scheunen oder auf dem Feld, da zu diesen Zeiten die
Kampfkünste verboten waren. Das Praktizieren der Katas draussen auf unebenem
Grund mit Steinen oder unebenem Gras ergibt eine andere Dimension und
Herausforderung zur Konzentration und Praxis. Kata verschafft dem Studenten eine
flexible, individuelle Methode zur totalen Fitness.
Im Zen werden wir dazu angehalten, unser Lernen
und Wachstum nicht aus der Theorie eines Buches zu beziehen, sondern direkt aus
der eigenen Erfahrung. Im Zen bedeutet das intensives Zazen oder sitzende
Meditation. Dieses fundamentale Prinzip gilt für Kata ebenso. Es ist nicht möglich,
dass man aus dem Buchstudium lernt, was uns eine Kata lehrt. In einem solchen
Buch dienen die Fotos als "Strassenkarte" der Bewegungen, sie dienen
zur Erinnerung der grundlegenden Prinzipien für einen Schüler, der bereits mit
dem Karate vertraut ist. Der Schüler muss diese Prinzipien direkt in die
praktische Übung der Kata einfliessen lassen. Das kann nur durch die erneute
und wieder erneute und wieder erneute Übung der Kata getan werden. Gerade
dadurch, weil der Schüler die verschiedenen Schwierigkeiten des Lernprozesses
durchreitet, beginnt die Kata ihre Geheimnisse hervorzubringen.
Diese wirkliche Genialität der früheren Meister
des Karates durch die Entwicklung eines Trainingssystems, der Praxis der Kata,
vereinigen die modernen Prinzipien des Konditionstrainings mit den ältesten
Zenprinzipien. Das ist der Grund, warum wir Kata haben und warum sie so
praktiziert werden müssen.
Dazuzuzählen ist die pädagogische Sicht der
Kata, sie verhilft zu einem höheren Stand der Ausdrucksweise des Einzelnen und
der Kreativität. Es wurde erwähnt, dass die Katas gegeben und eingeengt sind,
das mag komisch tönen, aber es ist wirklich so.
Lasst uns annehmen, dass eine mit Karate nicht
vertraute Person in ein Dojo kommt und einen fortgeschrittenen und beginnenden
Schüler bei der Ausführung derselben Kata zusieht. Welchen Unterschied kann er
sehen? Wenn er dem Fortgeschrittenen zusieht, kann er eine Geschichte in den
Bewegungen erkennen, er sieht klar, dass dort Gegner an verschiedenen Punkten
sind, obwohl keine sichtbar sind. Der Beobachter kann das Drama in den
aufgehenden und fallenden Sequenzen der Bewegungen erkennen. Der glückliche,
verändernde Verlauf der Kata ist klar mit dramatischen Schwerpunkten besetzt.
Die Techniken sind klar, scharf und effektiv, auch für einen Zuschauer, der mit
Karate nicht vertraut ist. Der fortgeschrittene Schüler sieht belebt und von
der Kata eingenommen aus.
Als Kontrast die Kata des Anfängers, dessen
Erscheinung so aussieht, wie wenn er einen neuen Tanzschritt lernt, manchmal
ungeschickt, oft unschlüssig und unsicher. Da ist eine lange gleichgültige,
ziellose Qualität der Bewegungen und der Beobachter sieht darin keine
ablaufende Geschichte. Hinter der körperlichen Gewandtheit des
Fortgeschrittenen und dem Unterschied des beginnenden Schülers sind geistige
Unterschiede, welche lebendig für das Verstehen und die Perfektion der Kata
sind. Jedermann geht durch das Anfängerstadium. Es ist wunderbar zu sehen, wie
ein Schüler vom Stand des Anfängers den Stand des Fortgeschrittenen erreicht.
Es ist keine Frage der angeborenen Fähigkeit, sondern Anstrengung und Praxis.
Wir erinnern uns, dass jede Kata einen Namen hat,
der durch den Meister, welcher die Kata kreierte, gegeben wurde. Diese Namen
sind der Faden zur tiefsten Meinung der Kata, aber die meisten Studenten
betrachten diese nur als Bezeichnung. Taikyoku zum Beispiel bedeutet "weite
Sicht" oder "sehe klar". In der Kata bewegt sich der Schüler
systematisch durch die umfangreichen Kopfteile. Die Bewegungen des Schülers
sind nicht beschränkt, aber sie umhüllen einen weiten Raum. Wenn der Schüler
diese Kata lernt und übt, sollte er im Geist die "weite Sicht" vor
Augen haben. Dies ist nicht nur für die Kata alleine wichtig, sondern auch für
unseren Weg, wie wir leben und agieren. In seiner wortgetreuen Übersetzung
bedeutet Kata: "wie man sich benimmt". Das Benehmen und die
Einstellung sind Dinge, welche wir durch unser Karatetraining ändern und
verbessern wollen. Die Praxis der Kata ist lebenswichtig um diese Ziele zu
erreichen. Viele Probleme im Leben entstehen durch Engstirnigkeit,
Voreingenommenheit, kulturelle Verschiedenheit, die unser Verständnis für uns
selbst, die Welt und anderes limitieren. Taikyoku bedeutet, dass man einen
offenen Geist, keine beschränkte Zielvorstellung und keine eingeengte Sicht
einer Situation haben soll, das Universum der Möglichkeiten soll offen bleiben.
Shunryo Suzuki, ein Zenmeister, sagte einmal: "Im Geiste des Anfängers hat
es noch viele Möglichkeiten, in dem vom Experten sind es nur noch wenige".
Taikyoku bedeutet also, die Möglichkeiten des
Anfängers offen halten, ein Konzept, das wir uns zu Herzen nehmen müssen. Die
"Zusammensetzer" der Katas hatten tiefgründige Ideen sich auszudrücken,
was sie in den Katas verkörperten. Es ist eine Herausforderung für den
individuellen Schüler, die Ideen zu finden und ruhig auszuführen.
Das Benehmen ist im Zen und Karate sehr wichtig.
Das Zeremoniell, die Förmlichkeit und das Gebärden sind essentiell. Wenn du
beispielsweise eine Kata beginnst, so musst du dich vorbereiten. Wenn du das Yoi
(sei bereit) hörst, dann ist das eine bedachte, definierte Prozedur um den Körper
und Geist für die Kata vorzubereiten. Das ist das Gebärden. Jede Person gebärdet
sich in ihrer eigenen Art. Jedes Gebärden kann von Bedeutung sein, auch die
eines untrainierten Zuschauers, wichtig dabei ist, dass man sich voll
konzentriert und engagiert.
Kata ist die Realität des Geschenkes. Alles - Körper,
Verstand und Geist - konzentrieren und koordinieren sich nur auf ein Ziel.
Da gibt es keine anderen Ablenkungen und konkurrierende Interessen. Das ist der
Weg, den wir für alles im Leben einschlagen wollen, dem wir uns widmen, totale
Konzentration und aufrichtige Bemühungen.
Die Bewegungen und die Techniken sind in der Kata
lebendig, der aufrichtige Geist markiert das Beste der Kata, wie sie ein Schüler
überhaupt tun kann. Kata hat der höchste Sinn, es ist der goldene Mittelweg
der Selbstperfektion.
Kata ist der Spiegel unserer Karatepraxis,
unseres gefühlsbedingten und geistigen Zustandes. Wenn wir angespannt, von der
Arbeit in Besitz genommen sind oder finanzielle Probleme haben, mit dem Geist
nicht bei der Kata sind, wird es sichtbar sein. Die Bewegungen werden
mechanisch, die Übergänge die Bewegungen nachlässig, die Beintritte und
Faustschläge haben keinen Mittelpunkt. Wir vergessen vielleicht eine Bewegung
die wir schon 100 mal gemacht haben. Kata ist ein Singen der Gesundheit unserer
Praxis, wie das Singen des Pulsschlages unserer allgemeinen Gesundheit. Durch
die Kata haben wir einen Ermahner der unser Weiterschreiten und die Änderungen
in unserer Praxis anzeigt. Weil Kata unser Verhalten und die Einstellung verändert,
ist es Zen. Bei der Kata geht es um Bewegungen, sie kann als "bewegendes
Zen" verstanden werden.
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DOSEN oder EMBUSEN (Linie der Bewegungen):
Das vorläufige Gerüst beinhaltet das
Auswendiglernen der Karatetechniken und der Ordnung der Ausführung. Ein
Instruktionsbuch kann dazu nützlich sein. Zu diesem Zeitpunkt, wo die Schüler
die Bewegungen der Kata lernen, meinen sie unglücklicherweise vielfach, dass
sie die Kata nun "können". Ein Zenmeister würde dazu sagen, dass das
die Tendenz der modernen Zivilisation, die allzu starke Betonung vor dem
Verstand, reflektiert. Die Bewegungen der Kata zu kennen ist erst der Anfang des
Weges zum Wissen.
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SEI (Aufrichtigkeit und
ehrlicher Geist):
Dies ist ein konstanter, lebenslanger Prozess.
Dieser Aufgabe näher zu kommen beansprucht ein wenig und wieder ein wenig, ein
Schritt zur richtigen Zeit. Dieses Prinzip kann man sehr gut bei einer Kata
anwenden. Die Schüler wollen die Kata sehr schnell "lernen" und dann
gehen sie zu anderen, neuen Katas über. Gerade wenn du die Bewegungen der Kata
gelernt hast und der Ablauf glatt geht, ist noch mehr Arbeit zu tun. Jedesmal
wenn du die Kata ausführst, ist es zu einer unterschiedlichen, einmaligen Zeit.
Ein Karateinstruktor kann dem Schüler bei der Ausführung der Kata zusehen,
dabei kann er den inneren Zustand - die Nervosität, das Fehlen des Interesses,
der Bewusstheitszustand oder die Verärgerung - sehen. Eine gute, starke Kata
kommt von einem ruhigen, scharf eingestellten Geist, der bereits beim "Yoi"
angewandt wird und bis zum Ende dauert. Die Bewegungen und die Techniken sind in
der Kata lebendig, der aufrichtige Geist markiert das Beste der Kata wie sie ein
Schüler überhaupt tun kann.
KI bedeutet innere Energie oder Geist. KI HAKU
bedeutet "die innere Energie dem Gegner zuschleudern". Einem die
Energie zuschleudern bedeutet keine kraftvolle Aktion, nehmen wir an, dass du
auf der Strasse mit jemandem konfrontiert wirst, der dich in einen Kampf
hineinziehen will. Sind alle Bemühungen, dem Kampf auszuweichen, vergeblich, so
wirst du in eine starke Grundkampfposition gehen, wobei sich deine Augen auf den
Gegner richten und du eine ruhige Ausdrucksweise im Gesicht bekommst. Dein
starker Sinn überrascht dich und ein Zögern tritt beim Gegner auf. Diese Art
der Kommunikation deines Geistes wird KI HAKU genannt.
Der zweite Teil ergibt sich durch die Meisterung
der Techniken. REN MA bedeutet "bleibe polierend". Durch ungezählte
Stunden fleissiger Praxis werden ungeschickte und zögernde Bewegungen gepflegt
und poliert. Fusstritte und Handtechniken werden stark, klar und genau.
Stellungen werden stärker, der Übergang zwischen den Stellungen ruhig und
anmutend. Die Atmung zwischen der Durchführung der Technik ist kontrolliert und
koordiniert. Der Student stimmt sich auf den inneren Rhythmus der Kata ein,
findet Pausen und betonte Kontraste zwischen langsamen, definierten Bewegungen
und der reissenden Geschwindigkeit der Kraft. Die Konzentration ist auf die Höhepunkte
der Kata gerichtet, wie die Position der Hände, die Richtung des Kopfes und der
Augen. Der Schüler gibt sich Mühe, die Ziele und die Funktion jeder Bewegung
zu verstehen.
Hat man die Kata durch Tüchtigkeit hoch
entwickelt, so hat der Karateka sich ein gutes Gerüst des Lernens
eingeschliffen. Dann ist die Kata so tief im Unterbewusstsein des Studenten
verwurzelt, dass er keine bewusste Aufmerksamkeit mehr benötigt, welches die nächste
Bewegung oder die dazugehörende Technik ist. Das ist, was die Zenmeister "MUSHIN"
(ohne Denken) nennen. Der bewusste Prozess des Vorstellungsvermögens, angeregt
durch den Verstand, wird nicht mehr benötigt. Ohne vorauszudenken, welche
Bewegung zu machen ist, antwortet der Karateka, wie in einer wirklichen
Situation, automatisch auf die Bewegungen des unsichtbaren Gegners. Es kommt
spontan hervor. Was als spezifische Speicherung der Bewegungen begann, wurde zu
einer spontanen, automatischen Bewegung. Der Student ist in die Realität der
Kata vertieft. SUCHU RYOKU bedeutet, dass das KI, oder die geistige Energie, des
Karatekas konzentriert und auf die Kata übertragen wurde, woraus etwas schönes,
starkes und gewaltiges hervorgeht.
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Das Verhältnis der Kata zum Kampf:
Wir haben das Verhältnis zwischen der
Verwandtschaft der Kata zum Zen und der Karatetradition beleuchtet. In den
jungen Jahren gab es speziell in den USA einige Praktiker, welche darauf
hinwiesen, dass Kata nicht wesentlich sei, nicht so wichtig, wie sie von den
traditionellen Schulen dargestellt werden. Diese Karateka sehen nur ein kleines
Verhältnis zwischen Kata, Kampf und Selbstverteidigung. Sie glauben, dass die
Studenten mehr vom zusätzlichen Kämpfen oder von der Entwicklung von
spezifischen Kampftechniken profitieren. Dieses Fehlen der Würdigung der
Vorteile der Kataherkunft hat manchen Ursprung. Einer ist das übertriebene
Streben des Instruktors nach dem Verhältnis zwischen Kata und Kampf. In einigen
Instruktionsbüchern steht, dass der Student nur durch die Katapraxis ein guter Kämpfer
wird. Solche Worte rufen Niedergeschlagenheit und Zynismus bei Studenten hervor,
welcher nach seiner ersten Kampflektion schnell merkte, dass es mehr gibt und
der durch das Praktizieren der Kata nicht darauf vorbereitet wurde. Kata ist zur
Entwicklung der Kampfgeschicklichkeit nicht unbedeutend, sie vermittelt stärkere
Techniken, Koordination und Gleichgewicht. Sie pflegt die Kontrolle des Körpers
und Geistes, was für ein guter Kämpfer wesentlich ist. Der Faktor ist, um ein
guter Kämpfer zu sein, muss man kämpfen. Kata ersetzt kein Kampf und die
Entwicklung gewandter Kampftechniken, aber Kata ist eine Ergänzung zur
Kampfpraxis, auch hat sie eine tiefere Bedeutung zu sich selbst.
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Kata und das tägliche Leben:
Das Ziel der Kata ist, den Karateka für das tägliche
Leben vorzubereiten, nicht nur für den körperlichen Kampf. Die einfache
Wahrheit ist, von den vielen Herausforderungen die wir auf der Welt sehen, benötigen
einige einen starken Tritt oder einen zeitgerechten Schlag. Obwohl ein starker,
gesunder Körper für das Wohlgefühl und den Erfolg wichtig ist, ist ein
starker, disziplinierter Geist übergeordnet. Kata ist zentral zur Entwicklung
dieser Qualitäten und das ist es, was sie individuell zum täglichen Leben
macht.
Eine der Herausforderungen im Leben ist es, zu
wissen, was man tut, Ziele und Prioritäten zu setzen. Hat man diese
festgesetzt, gilt es die Herausforderung zu verwirklichen. Bildung, Arbeit,
Verwandtschaft, alles verlangt ununterbrochene Anstrengungen, Konzentration und
Lenkung der geistigen Energie sind die ersten Bestandteile zum Erfolg. Nehmen
wir an, dass du dich entschieden hast, Anwalt zu werden. Lange Stunden des
Studiums werden benötigt, öfters bist du müde und würdest gerne etwas
anderes tun. Deine Augen hast du auf dem Text des Papiers, aber dein Geist ist
nicht da, die Gedanken sind woanders. Du magst angespannt sein und dir Zeit
nehmen, aber weil es dir an Konzentration und Zielstrebigkeit fehlt, geht der
Fortschritt langsam und langwierig weiter.
Wir sind Willens zu akzeptieren, dass wir einen
starken Körper brauchen, wir benötigen körperliche Übungen. Um einen starken
Geist zu haben, müssen wir auch systematisch und konstant üben. In der Kata
muss der Student zuerst die Bewegungen lernen. Das ist mehr eine unangenehme
Denkaufgabe als eine körperliche Übung. Jedesmal wenn du die Kata ausführst,
übst du die Konzentration, strebst die Gewinnung der Harmonie zwischen Körper
und Geist an, wobei du den Brennpunkt der Energie, des Ki, anstrebst. Schreitest
du im Training weiter, so werden die Katas komplexer, tiefere Konzentration und
Zielstrebigkeit sind gefragt. Der Geist und Körper antworten diesem
weitergehenden Training, sie werden stärker durch die Arbeit und Repetition.
Einige Studenten fühlen sich gelangweilt oder
unterdrückt durch die von ihnen verlangte Exaktheit in der wiederholten Ausführung
der Kata. Diese Studenten fühlen: "Welch ein Unterschied macht es, wenn
meine Handposition nicht so ist, wie sie vom Instruktor gezeigt wurde? Niemand
bemerkt es, wenn mein Bein in dieser Stellung auch leicht angezogen ist".
Wie auch immer, es ist genau diese Aufmerksamkeit gegenüber dem Detail der Kata
gefragt, die Selbstdisziplin hervorbringt, welche dich immer etwas üben lässt,
bis du es richtig machst. Konzentration und Selbstdisziplin machen das Verhältnis
und die Gewandtheit aus. Sie können gelernt und müssen praktiziert
werden.
Als Sadaharu Oh den Heimrekord von Henry Aaron im
Baseball übertraf, wurde er die meistbekannte und populärste Figur in Japan.
Früher schied Mr. Oh jeweils frühzeitig aus, wobei ihm die Fans wegen seines
zu grossen Schwunges verspotteten. Er traf Mr. Arakawa, welcher sein persönlicher,
eigener Coach wurde, in Wirklichkeit sein Sensei. Auf der Horizontalebene änderte
Arakawa - San den Mechanismus von Mr. Oh's Schwung, individuell lehrte er ihn
den Stand auf einem Bein, welchen wir im Karate tsuru - ashi - dachi nennen.
Anstelle der Schlagpraxis auf dem Spielplatz wie jeder andere, musste Mr. Oh mit
seinem Baseballschläger lange Stunden vor einem Spiegel stehen, wobei er seine
Stellung übte! Arakawa - San lehrte ihn Iai, die Art des Schwertziehens. Ein
Baseballspieler macht Kata! Mr. Oh sagte, dass diese "geistige
Disziplin" nicht nur der Schlüssel für seinen Baseballerfolg, sondern
auch für viele andere Dinge in seinem Leben wurden. Die Disziplin und die
Konzentration, hervorgerufen durch die Praxis der Kata, durchdringt jede Bemühung,
egal was man tut. Es wird ein Teil deines Weges des Seins.
Im Karate sagt die niemand, welche spezifische
Ziele du in deinem Leben setzen sollst. Hast du einmal deine Wahl getroffen, ist
es der Vorsatz deines Karatetrainings all deine Energie und dein Talent zur
Vollendung deines Ziels einzusetzen. Karate ist ein Gefährt zur Entwicklung
dieser Fähigkeit, welche dir in jedem Aspekt des Lebens helfen soll.
Definition und Ziele des Kampfes
Kumite (Kampf) zusammen mit der Kihon (Grundschule) und Kata (Gestalt
annehmen / Form) komplettieren das Dreieck des Karatetrainings. Karate ist eine
Kampfkunst, welche über Jahrhunderte entwickelt und verfeinert wurde. Sie wurde
vielfach gegen Besetzer und Wegelagerer eingesetzt.
Heute lebt der Geist der Kunst durch das Kämpfen weiter und bietet dem
Karateka viele Vorteile. Kampfübungen schärfen die Genauigkeit hin bis zur
Perfektion der Selbstverteidigung. Mit ihnen erreichen wir die Fähigkeiten, all
die Techniken, die Zeitabläufe und die Reflexe, die sich der Karateka
angeeignet hat, fortdauernd und sicher aufzubauen. Sie inspirieren die
Geisteshaltung und trainieren das Gehirn, so dass man unter Druck möglichst
ruhig bleiben kann.
Auf dem Weg zum Kämpfen werden deshalb verschiedene, genau vorgeschriebene
Partnerübungen ausgeführt. Das Ziel ist der Aufbau der Genauigkeit und der
Sicherheit sowie der Kreation einer guten, angstfreien Atmosphäre. Die
Grundschule ist das Fundament für die später folgenden Kämpfe. Starke
Abwehren, Bein- und Armangriffstechniken sind die Grundlagen des Kampfes. Durch
unzählige Ausführungen der Grundschule ist es nach vielen Stunden erst
möglich, die Hände und Füsse als Waffen einzusetzen.
Ippon- bedeute "Ein-" und Sanbonkumite
"Dreischrittpartnerkampf". Sie beinhalten eine Anzahl vorgegebener
Bewegungen und Techniken, die einzeln ausgeführt werden. Zuerst werden sie
allein, ähnlich wie eine Kata, geübt, so dass die Abläufe möglichst
"eingeschliffen" werden. Danach erfolgen die Übungen zu zweit. Da es
sich hierbei um die ersten Kampfübungen überhaupt handelt, werden die
Schwerpunkte auf die Grundstellungen, das Gleichgewicht, die Koordination der
Angriffs- und Abwehrtechniken sowie die Distanz gelegt.
Wird mit Kombination übersetzt. Diese werden bereits, im Gegensatz zu den
Ippon- und Sanbon Kumite, mit angewinkelten Beinen ausgeführt. Man bewegt sich
konzentriert auf den Fussballen, wodurch schnelle Richtungsänderungen möglich
sind. Die hintere Faust bleibt jedoch grundschulmässig an der Brust
positioniert. Dies hat den Vorteil, dass die Armtechniken möglichst lang
ausgeführt werden können, was wiederum einen optimalen Hüfteinsatz und einen
fliessenden Ablauf der verschiedenen Techniken fördert.
Wird mit "arrangierter Kampfsequenz" übersetzt. Diese Art wird
ebenfalls zu zweit ausgeführt, wobei jeder Karateka wechselweise angreift oder
eine Abwehr- verbunden mit einer Kontertechnik macht. Im Yakusoku Kumite ist bei
den Erwachsenen kontrollierter Kontakt erlaubt, so dass unter realistischen
Bedingungen angegriffen, abgewehrt und gekontert werden muss. Diese
Partnerübung lehrt uns im speziellen die Wichtigkeit des genauen Zeitablaufes,
des Timings, sowie die korrekte Distanz zwischen den beiden Karatekas, welche
reine Kampftechniken anwenden.
Dabei handelt es sich um eine monderne Art des freien Kampfes, in welcher
der Lehrer die zu verwendenden Techniken genau vorgibt. Z. B. darf ein Karateka
nur Bein- und der andere nur Armtechniken verwenden. Oder der eine darf nur
abwehren währenddem der andere Karateka zwei oder drei Beinangriffstechniken
machen muss. Der Karateka kann sich dadurch auf eine spezielle Technik, z. B.
mawashi - geri - jodan, konzentrieren, während der andere seine Abwehr
verbunden mit einem Konterangriff bis zur Automatisation perfektionieren kann.
Wie bereits früher ausgeführt, kennen wir im Kyokushin Karate vier Arten
des Freikampfes. Es handelt sich dabei um das Clicker, das Leichtkontakt, das
sogenannte Kyokushinkai und das Kenka. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen
nur durch die Regeln, welche zur Sicherheit des Karatekas geschaffen worden
sind. Das Ziel aller vier Arten ist jedoch dasselbe: unter möglichst
realistischen Bedingungen den Kampf zu lernen. Im Jiyu Kumite besteht die
Möglichkeit, selbständig zwischen den Techniken zu wählen und so von einander
zu lernen. Nebst dem körperlichen Teil des Kampfes ist es eine gute und
wichtige Art, die geistige Kontrolle und Disziplin, die der Karateka erreicht
hat, zu ergründen.
Karate ist eine Kampfkunst. Aus diesem Grund ist der Freikampf (Kumite) ein
Ausdruck und ein grundsätzliches Ziel dieser Art. Im Karatekampf gibt es keine
eigentlichen Gewinner oder Verlierer. Am Anfang werden Schwerpunkte für die
Kampfbegegnung gesetzt, aber das wirkliche Ziel des einzelnen Karatekas ist es,
das Möglichste aus sich selbst herauszuholen.
Wie man kämpft reflektiert nicht nur die körperliche Fähigkeit und
Technik, sondern auch den Kampfgeist und die Ausdrucksweise. Kämpfen kann uns
viel über die Herausforderungen im täglichen Leben beibringen. Wenn du gegen
einen Gegner antrittst, so musst du fortwährend in seine Augen sehen. Wenn du
deinen Gegner nicht immer ansiehst, so erscheint er drohender und furchtbarer
als er ist. Dasselbe kann zu jedem Problem im Leben, sei es persönlich oder
finanziell, gesagt werden. Der Kampf gibt uns die Gelegenheit durch Erfahrungen
zu lernen.
Nehmen wir an, du wirst fortwährend auf die Rippen geschlagen. Du fühlst
schmerz. Oder du wirst andauernd ins Gesicht geschlagen. Gehst zu zögernd weg
und sagst "Nun ist es genug! Was ist los mit meinem Kämpfen?" Wie
reagierst du? Gibst du auf, machst du Verletzungen geltend? Karate sollte dich
lehren, den Verstand einzusetzen. Besinne dich und denke. Wenn du geschlagen
wirst, warum wehrst du nicht ab? Vielleicht stehst du zu fest auf einem Platz.
Vielleicht hilft dir schon eine kleine Bewegung zur Seite, so dass du nicht mehr
so hart getroffen wirst. Es ist wichtig zu wissen, wenn etwas nicht
funktioniert, dass du die Strategie ändern musst. Wir müssen diese Einstellung
haben. Im täglichen Leben finden wir vielfach dieselben Abläufe wieder,
vielleicht funktioniert beispielsweise der Kontakt mit den Vorgesetzten oder den
Unterstellten nicht gut. Sei flexibel, sei anpassungsfähig. Experimentiere,
analysiere, wechsle die Strategie.
Verletzungen können uns im Training benachteiligen. Wie auch immer, es kann
immer eine Entschuldigung für etwas gefunden werden, das wir nicht gerne
machen. "Ich kann keine Liegestützen machen weil ich am Arm Schmerzen
habe." Wenn man wirklich will, kann man den unverletzten Arm dabei mehr
belasten und den verletzten dadurch etwas entlasten. Hast du einen Fuss
verstaucht, so wechsle die Seite und benutze den anderen. Wenn du im Kampf einen
Verletzung an den Beinen erleidest, so benutze halt nur die Hände. Hast du die
Hände auch noch verletzt, so benutze die Zähne um dich zu verteidigen. Nun
aber ernsthaft gesehen: der Punkt dieser Aussage ist, dass alles was geschieht
als Herausforderung angesehen werden kann. Viele Schüler lieben das Kämpfen
nicht. Aber es ist eine gute Gelegenheit den wahren Fortschritt der Grundschule
zu testen. Mit der Zeit und der nötigen Erfahrung kann es sogar Spass machen.
Der Freikampf offeriert dem Karateka viele Möglichkeiten. So kann er seine
Geschicklichkeit, seinen Mut und seinen Kampfgeist entwickeln. Auf der anderen
Seite, wenn der Freikampf nicht sauber ausgeführt wird, kann er auch
Unsicherheit und Verletzungen erzeugen. Es ist deshalb von höchster
Wichtigkeit, dass der Freikampf jederzeit gut instruiert und kontrolliert wird,
so dass die Ziele mit einer sauberen Körperhaltung ausgeführt werden.
Im aktuellen Freikampf ist das Gewinnen offensichtlich wichtig. Im Kampf ist
es für den Karateka notwendig, dass er versteht, was gewinnen heisst. Im Karate
strebt man nach persönlichem Wachstum. Der Karateka, der jederzeit das Beste
gibt, ist ein Gewinner. Wenn er kämpft und stets das Beste gibt, dann kann er
und auch sein Partner schrittweise weiter kommen. Sie sind auf der einen Seite
Gegner und auf der anderen Partner, die voneinander lernen und miteinander
wachsen.
Einer der wertvollsten Teile des Kampfes ist es, dass der Karateka mit sich
selbst konfrontiert wird. Ein ungesundes Ego, Ärger und Angst sind die Dämonen
in uns. Im Kampf sind wir gefordert, uns selbst ehrlich zu betrachten aber
genauso den Gegner. Unsere Angst, der Ärger und das Ego sind unseren grössten
Gegner. Dadurch kann das Kämpfen eine emotionelle und unkonfortable Erfahrung
werden. Aber der Karateka sollte sich deswegen keinesfalls vom Kampf abwenden
und sich dieser Herausforderung, dieser Konfrontation stellen.
"Karate ist der Ozean, Kumite nur ein Tropfen in seinen gewaltigen
Wassermassen".
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