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Das Reich des Yudansha - der begehrte Schwarzgurt

Der wichtigste Schritt im Leben des Karatekas ist der vom Braun- zum Schwarzgurt. Bis und mit Braungurt ist der Schüler von den verschiedenen Anforderungen der farbigen Gürtel beeinflusst. Der begehrte Schwarzgurt ist das übliche Ziel der meisten Karatekas. Doch die Anforderungen sind hoch, und mancher Anwärter kommt zu einem Punkt, wo er sich demütig mit geringeren Stufen des Könnens und Verstehens zufriedengibt, ist nicht bereit, sich den fordernden Ansprüchen des Yudansha zu stellen.

Vom ersten Dan an werden diese Anforderungen zweitrangig. Das Praktizieren der Techniken dient jetzt der Feinabstimmung. Nachforschungen in den Techniken und Geisteshaltungen früherer und heutiger Meister helfen dem jungen Schwarzgurt bei seinen Verfeinerungen.

Wie wir gesehen haben, kommt Schwarz – wie auch Weiß – in der Natur selten in seiner reinsten Form vor; darum werden sie nicht als eigentliche Farben bezeichnet. Aus vielen Gründen ist Schwarz jedoch mit dem Dunkelblau des fünften Rückenmarkszentrums verwandt, dem Vischuddha-Tschakra, dessen Element die Leere ist. Dies ist die Farbe des Willens. Es ist die Farbe, die das Reich jenseits des Körperlichen darstellt und deshalb nicht über das Farbenspektrum erreichbar ist.

Wenn man mehr Blau zu der Farbenmischung, die Braun ergibt, dazu tut (anschaulich: Wenn man auf perfekteres Gleichgewicht von Körper, Geist und Willen im Karate achtet), gibt es ein sehr dunkles Grau – das dem Schwarz ähnlichste im Farbenspektrum.

Somit ist Schwarz das beste Symbol für den Willen des Karatekas – die farblose Farbe – die Farbe, die alle Farben schluckt. Wenn eine schwarze Oberfläche starkem Sonnenlicht ausgesetzt ist, absorbiert sie die Lichtwellen so vollständig, dass sie bald zu heiss zum Anfassen wird. Dies wird zum Motto des neuen Schwarzgurtes: Zu heiß um angefaßt zu werden! Sein Training widerspiegelt dies.

Schwarz ist die Farbe der Stärke. Um wieder die Parallele mit dem Maler und seinen Farben zu ziehen: Schwarz hat zu viele Pigmente, um von einer anderen Farbe überdeckt zu werden. Der Schwarzgurt ist der stärkste aller Karateka, kein farbiger Gürtel ist ihm ebenbürtig.

Und doch ist Shodan als Anfang und nicht als Ende der Reise zu betrachten. Stolz oder Egoismus sind völlig fehl am Platz. Es wäre dumm, zu denken, man habe nun alles erreicht.

Yudanshas – Das Scharzgurtsystem

 Schwarzgurtsystem

Das Reich des Schwarzgurtes hat zehn Stufen. Wie bei den Schülergraden hat jede ihre eigene Bedeutung. Wenn der Yudansha unermüdlich mit dem Training fortfährt, auch in den späteren Jahren seines Lebens – so wie der Weißgurt, der nach und nach zum Schwarzgurt wurde – so bleicht sich sein Schwarzgurt langsam wieder, franst an den Enden aus und wird schließlich wieder weiss. Somit ist der Kreis unvermeidbar wieder geschlossen: Der Meister wird noch einmal zum Schüler. Der ganze Prozess mag sich dann wiederholen, aber in Bereichen weit jenseits bloßer Technik, jenseits der Spiele des Geistes, jenseits des Verständnisses eines Durchschnittsmenschen.

Die Kunst der ehrlichen Selbstbetrachtung ist eine neue Waffe des Anfängerschwarzgurtes: Man wird sich der Tendenzen in seinen Gedanken bewusst.

Analysiere deinen Geist, um zu sehen, ob deine Gedanken die eines Schwarzgurtes oder die eines Rotgurtes sind.

Werde dir im speziellen der in deinem Geist vorherrschenden Gedanken bewusst. Wenn sie sich nicht mit dem Gewissen eines Schwarzgurtes vereinbaren lassen, versuche, sie zu ändern. Halte jeden Abend geistig fest, wie du dich am Tage verhalten hast. Hast du wie ein reifer Karateka gehandelt, gedacht, geredet? Falls nicht, warum? Jeder Tag ist voller Gelegenheiten, dir selbst zu zeigen, wie reif du wirklich bist. Du kannst andere täuschen, aber mit dem Skalpell der ehrlichen Selbstbetrachtung kannst du nie dich selbst täuschen.

Nimm dir jeweils einen deiner negativen Züge vor und arbeite daran. Halte dir während des Tages ein Bild von jemandem, den du respektierst und verehrst, vor deinem geistigen Auge. Behalte dieses Bild in deinem Herzen. Das kann irgendjemand sein – Christus für einen Christen, Buddha für den Buddhisten. Es kann ein großer früherer Krieger sein, Indiens Arjuna oder Japans Musashi – oder unser verstorbener Sosai Mas Oyama. Das kann jemand sein, den du persönlich kennst und sehr respektierst. Wenn du vor großen Entscheidungen stehst, frage dich, wie wohl diese Person handeln würde. Wie würde ein wirklicher Meister des Karate auf diese oder jene Lebenssituation reagieren?

Der Geist eines Kriegers ist ruhig. Heijoshin. Bleibe ruhig und gelassen, unabhängig davon, ob du provoziert wirst oder nicht. So wirst du dich nicht selber zu unreifem Verhalten herablassen. Sieh dieses Bild des Meisters vor dir und arbeite dich unermüdlich daran heran. Die perfekte Einstellung des Kriegers entspricht genau der perfekten Einstellung eines Christen, Buddhisten oder Yogi.

Im Training erkennst du durch die Selbstbetrachtung klar deine vielen Schwächen.

Analysiere, warum dein Gegner gepunktet hat, dann unternimm alles, um diese Schwäche in deiner Abwehr auszumerzen. –

Dasselbe, wenn du mit einer speziellen Technik nicht gepunktet hast – finde heraus, warum, und sei entschlossen, dies nicht wieder vorkommen zu lassen.

Die Periode der Meditation, die dem Training folgt, ist eine ausgezeichnete Zeit, um über deine Verhaltensweisen nachzudenken. Du kannst nichts vor dem Spiegel der Selbstbetrachtung verstecken. Es ist eine sehr erniedrigende und unschmeichelhafte Lektion. Du denkst also, du seiest ein guter Karateka?

Analysiere deine Haltung während nur einer Trainingslektion und sieh, wieviel du nicht weißt! Wie oft bist du durch die Kihon (Grundtechniken) geleiert, mit höchstens einem Deut Anstrengung. Niemand außer dir ist verantwortlich für die Qualität deines Trainings. Du allein trägst das Gewicht der Verantwortung.

Bleibe dir auch als Schwarzgurt immer deiner Unzulänglichkeiten bewusst. Du bist noch kein Meister, aber wenn du es ablehnst aufzugeben, wirst du eines Tages einer sein. Was ist der Unterschied zwischen dem Anfänger und dem Meister? Der Meister ist der Anfänger, der nie mit seinen Anstrengungen aufgab, sich zu verbessern. Fortgesetzte Anstrengungen versprechen überraschende Erfolge. Hab Vertrauen in deine Möglichkeiten, sei aber in Bezug auf deinen momentanen Stand ehrlich mit dir selbst.